Tod auf leisen Rädern

Mähroboter: oft tödlich für viele Gartenbewohner und Gefahr für die Artenvielfalt – nicht nur Igel sind betroffen

Die Artenschützer des LBV beschäftigen seit dem Start ihres Projekts „Igel in Bayern“ 2014 intensiv mit der Bedrohung der sympathischen Stachelritter in unseren Gärten. Mähroboter gewinnen in Bayern von Jahr zu Jahr zunehmend an Beliebtheit. Heutzutage kommen die automatischen Rasenmäher in vielen Nachbarschaften vor. Was vielen Roboterbesitzern dabei nicht bewusst ist: welchen Schaden sie damit an der Natur im eigenen Garten anrichten. Regelmäßig werden nämlich Tiere von den vermeintlich hilfreichen Gartenmaschinen verstümmelt oder getötet (siehe Pressefotos). „Und da viele Roboter-Opfer einfach in der Mülltonne entsorgt werden, gehen wir von einer hohen Dunkelziffer aus“, so Lange weiter. 

Die Gefahr, die von den Geräten ausgeht, bestätigt auch ein aktueller Testbericht von Stiftung Warentest: Seit dem letzten Test hätten die Hersteller zwar nachgebessert, trotzdem beschädigten alle elf getesteten Geräte einen auf dem Boden ausgestreckten, hölzernen Kinderarm und erzielten damit bestenfalls ein „ausreichend“ in der Kategorie „Sicherheit“. Zwei Roboter überfuhren sogar hölzerne Füße und wurden deshalb als „mangelhaft“ eingestuft. „Ein Mähroboter, der Körperteile von Kindern überfahren würde, stellt auch eine Gefahr für kleine Tiere wie junge Igel, Blindschleichen, Eidechsen, Insekten und Spinnentiere dar“, weiß die LBV-Expertin. „Und da Igel bei Gefahr meist nicht davonlaufen, sondern sich zu einer Stachelkugel zusammenrollen, sind sie den stets überlegenen Maschinen schutzlos ausgeliefert und von der Gefahr besonders betroffen.“ 

Einige der Hersteller weisen sogar darauf hin, dass ihre Mähroboter nicht unbeaufsichtigt laufen sollten. „Leider ist das aber oft einer der Hauptgründe für die Anschaffung eines Mähroboters – er arbeitet ganz allein, ohne dass man danebenstehen muss,“ so Lange. Deshalb hielten sich viele Roboterbesitzer nicht daran. „Viele Leute lassen den Roboter sogar nachts laufen, weil dann weder Kinder noch Haustiere im Garten sind.“ An die tödliche Gefahr für die nachtaktiven Igel und andere nächtliche Gartenbewohner denken dabei jedoch die wenigsten. 

Davon abgesehen wird durch den Einsatz von Mährobotern auch verhindert, dass ein stabiles Ökosystem entstehen kann, das für einen gesunden Garten steht und dem Gärtner Arbeit abnehmen kann. „In Rasen, der fast täglich von Mährobotern gemäht wird, haben Wildblumen wie Klee keine Chance Blüten zu bilden oder sich weiter auszusäen. Auch wird der Rasen so dicht, dass sich kaum neue Wildblumen ansiedeln können“, so Annika Lange. Was viele als Vorteil empfinden hat für die Natur jedoch nur Nachteile: Wildblumen ernähren zahlreiche Insektenarten, denen in einem Mähroboter-Rasen dann die Nahrungsgrundlage fehlt. Zierblumen wie gefüllte Rosen, Dahlien oder Chrysanthemen hingegen sind für bestäubende Insekten oft wertlos und können die Wildblumen nicht ersetzen. „Die wenigen Insekten, die sich doch auf den Rasen verirren, werden dann oft in den Mähroboter eingesogen und zerhäckselt. Deshalb stellen Mähroboter eine Gefahr für die Artenvielfalt dar. Die Nutzung eines Mähroboters ist somit mit einer naturnahen Gartengestaltung nicht zu vereinen“, sagt Lange.

 

In ihren Verstecken nicht mehr sicher

Doch auch andere motorisierte Gartengeräte schaden den Igeln. „Dort, wo sich Igel am liebsten zum Schlafen zurückziehen – also unter Hecken und ins Gestrüpp – wird gerne mit Freischneidern und Motorsensen gearbeitet. Diese Geräte sind oft stark genug, um kleine Bäume zu durchschneiden. Entsprechend kann man sich vorstellen, was sie mit Igeln und anderen Tieren machen“, warnt Lange. Am besten sei es, auf solche Geräte ganz zu verzichten und Mut zum Wildwuchs unter Hecken zu zeigen. Falls man das nicht wolle, solle man vor der Nutzung dieser Geräte die Flächen gründlich nach Tieren absuchen. 

„Für die Natur ist es am besten, auf solche scheinbar wertvollen Gartenhelfer zu verzichten und sich stattdessen die Zeit zu nehmen einmal genauer hinzusehen“, rät die LBV-Expertin. In der Stille eines naturbelassenen Gartens lassen sich viele spannende Entdeckungen machen. „Wenn man dann Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegenlarven dabei beobachtet, wie sie Blattläuse verzehren, lernt man die Vorteile eines ausgeglichenen Ökosystems kennen und schätzt und achtet die Natur.“

Um einen besseren Eindruck von der Zahl der verletzten Tiere zu erhalten, bittet der LBV alle Tierfreunde, durch Mähroboter oder Freischneider verletzte Igel und andere betroffene Tiere per E-Mail an igel@lbv.de zu melden.

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Für Rückfragen LBV-Pressestelle:

 Markus Erlwein |Sonja Dölfel, E-Mail: presse@lbv.de, Tel.: 09174/4775-7180 | -7184. Mobil: 0172-6873773.

König der Lüfte zurück in die Freiheit entlassen

Genesener Steinadler wieder in den Allgäuer Alpen freigelassen – Sender zeigt Standort

Verheddert in einem Stacheldraht ist im April ein Steinadler in den Allgäuer Alpen gefunden worden. Der verletzte Greifvogel wurde nach der Bergung dem LBV übergeben und in der Greifvogelpflegestation von Siglinde und Werner Leitner gesund gepflegt. Nun wurde der Adler wieder in seine angestammte Heimat auf der Salmaser Höhe auf der Nagelfluhkette entlassen. „Den majestätischen Steinadler wieder freizulassen war ein spektakuläres Erlebnis und ein echter LBV-Moment. So nah an die Könige der Lüfte kommen selbst wir Naturschützer nur selten“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer, der bei der Freilassung vor Ort dabei war. Der Steinadler „Werner“, wie der Greifvogel nach seinem Pfleger benannt wurde, trägt einen Telemetriesender mit dem der LBV und Interessierte seine Bewegungen genau verfolgen können.

 

Ein Wanderer meldete im April der Polizei in Oberstaufen einen ungewöhnlichen Fund. Ein Steinadler hatte sich in einem Stacheldraht auf der Salmaser Höhe verfangen. Die Polizei setzte den zuständigen Jäger und den LBV über die Meldung in Kenntnis. Nach der Bergung durch den zuständigen Jäger wurde der Vogel dem LBV zur Pflege übergeben. Erste Untersuchungen ergaben eine Fraktur an einem Flügel. „Dank der intensiven Pflege in der Greifvogelstation durch die Artenschutz-Helden Siglinde und Werner Leitner konnte der Steinadler vollständig genesen und fliegt nun wieder in Freiheit“, freut sich Schäffer. Derzeit hält sich „Werner“ im Vorarlberg auf.

Die Freilassung selbst verlief reibungslos. In einer Transportkiste für Greifvögel reiste der Steinadler in die Nähe seines Fundortes auf der Nagelfluhkette. Alle waren sehr gespannt, als die Kiste geöffnet wurde. Zur Erleichterung der Anwesenden hüpfte der Greifvogel kurz nach dem Öffnen heraus und flog sofort los. „Zu unserer Freude steuerte ‚Werner‘ zielstrebig in den nächsten Baum, wo wir ihn noch lange beobachten konnten“, sagt Brigitte Kraft vom LBV Schwaben. Bereits nach wenigen Minuten wurde der Steinadler von einem Mäusebussard als Eindringling erkannt und angegriffen. Das störte den majestätischen Vogel jedoch wenig. Und so zog der kleinere Greifvogel nach mehreren erfolglosen Anflügen weiter.

Erfassung des Steinadlerbestands

Aktuell erfasst der LBV im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) den Brutbestand der Steinadler in den Allgäuer Alpen. So können Horste mit einer begonnenen Brut

besonders geschützt werden. In den zehn ganzjährig besetzten Revieren im Oberallgäu findet derzeit in fünf Revieren eine Jungenaufzucht statt. Die Jungvögel sind geschlüpft und werden Ende Juli bis Anfang August ihren Horst verlassen.

Steinadler am Sender

Die Steinadlertelemetrie findet im Rahmen des Projektes „Icarus – Erdbeobachtung mit Tieren“ statt. Es handelt sich bei dem Projekt um eine internationale Kooperation zur Beobachtung von Tieren aus dem Weltraum. Ein Kooperationspartner ist das Max-Planck-Institut der Verhaltensbiologie in Radolfzell. Dieses stellt den Sender zur Verfügung und übernahm auch die Besenderung des Steinadlers. Da der gefundene Steinadler noch ein Jungvogel und kein Reviervogel aus dem Allgäu ist, wird es besonders spannend zu erfahren, wo er sich nach der Auswilderung aufhalten wird. „Über unsere Reviervögel, die ganzjährig in ihrem Revier unterwegs sind, wissen wir bereits viel. Doch die Aufenthaltsorte der Jungvögel, die noch kein festes Revier haben, kennen wir nicht“, so die LBV-Biologin und ergänzt: „Mit dem besenderten jungen Steinadler erhoffen wir uns einen großen Wissenszuwachs über die Raumnutzung der Jungvögel.“

Interessierte können über die Animal Tracker-App von Icarus die Flugroute des ausgewilderten Steinadlers „Werner“ mitverfolgen. Mehr Informationen zur App und wo sie heruntergeladen werden kann unter https://www.icarus.mpg.de/4331/animal-tracker-app.

17.6.2020

Ihre Ansprechpartnerin vor Ort:
Brigitte Kraft, Leiterin LBV-Bezirksgeschäftsstelle Schwaben, E-Mail: brigitte.kraft@lbv.de, Tel.; 08331-96677-12. Mobil: 0160-90749767.

Beim „Urlaub Dahoam“ die Natur respektieren

Viele Alpensalamander überfahren

Viele Menschen suchen in Zeiten von Abstand in ihrer Freizeit immer häufiger entlegene Orte in der Natur auf. Der LBV erwartet, dass sich dieser Trend nun mit den weiteren Lockerungen in den kommenden Wochen verstärkt. Das führt aktuell zu einer deutlich höheren Belastung vieler Ökosysteme. Die Tiere können diese ungewohnten Störungen nicht einschätzen, und wertvolle Biotopflächen mit zum Beispiel seltenen Orchideen werden für ein Picknick niedergetrampelt. „Es sollte selbstverständlich sein, auf den ausgezeichneten Wegen zu bleiben, Beschilderungen und Infotafeln zu beachten und Sperrungen von sensiblen Flächen zu beherzigen. Hier hoffen wir trotz der besonderen Situation auf die Akzeptanz der breiten Bevölkerung. Denn je besser das Miteinander von Mensch und Natur durch Verständnis und Rücksichtnahme von alleine funktioniert, desto weniger Sperrungen braucht es“, sagt Hansbauer weiter.

 

Ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich die Besucherintensität in den bayerischen Bergen schon ausgeweitet hat, haben die Artenschützer bereits gefunden. Im Rahmen eines jüngst angelaufenen LBV-Projekts zur Erfassung überfahrener Alpensalamander wurden aktuell in mehreren Gebieten der bayerischen Alpen in nur wenigen Tagen zahlreiche tote Tiere gefunden, die von Fahrrädern überfahren oder totgetrampelt wurden. „Der Alpensalamander bekommt nur alle zwei bis vier Jahre im Juni zwei Junge. Werden die Weibchen jetzt vermehrt überfahren, ist der Nachwuchs für Jahre verloren. Als klimasensible Art wird sich sein Lebensraum zukünftig wohl verkleinern und es ist mit Bestandseinbrüche zu rechnen“, erklärt Miriam Hansbauer.

 

Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern teilt die Bedenken der LBV-Artenschützer: „Wir freuen uns, dass die Besucher der Berge und der Almen sich für unsere Landschaft und die Berge interessieren. Diese Kulturlandschaft wird seit vielen Jahrhunderten von den Alm- und Bergbauern gepflegt und mit unseren Tieren beweidet. Erst dadurch sind diese wertvollen Lebensräume entstanden, die es für die Zukunft zu erhalten gilt. Deshalb unser Appell: Nehmt auf die Natur und das Almvieh Rücksicht, bleibt auf den Wegen, nehmt die Hunde an die Leine und euren Abfall bitte wieder mit ins Tal“, so Josef Glatz, 1. Vorsitzender des AVO.

 

Doch auch an den bayerischen Flüssen befürchten die Naturschützer des LBV erhöhten Druck auf die Natur. Der Flussuferläufer ist in Bayern vom Aussterben bedroht, genau wie sein Lebensraum: naturnahe Flüsse mit Kiesumlagerungen. So hat der LBV zwar im Rahmen eines Gebirgsflüsse-Projekts in einigen oberbayerischen Landkreisen eine Besucherlenkung über gelbe Schilder eingerichtet. Der Andrang auf die Kiesbänke steigt jedoch immer weiter an und damit auch die Störung durch meist unerlaubtes Übernachten, Lagern und Grillen. „Aktuell schlüpfen die Jungvögel, und Störungen sind somit besonders gravierend. Wenn die Jungvögel den Kontakt zu den Alttieren verlieren, gehen sie oft zugrunde“, erklärt die LBV-Artenschützerin. Der Besucherlenkung kommt hier und in vielen anderen Gebieten deshalb eine zentrale Bedeutung zu.

 

Aber nicht nur die Alpengebiete sind betroffen, auch im Flachland, vor allem um die Ballungsräume, sind Wiesenbrütergebiete, Seen, Flüsse und Moore mit ihren teils sehr sensiblen Tier- und Pflanzengesellschaften einem überdurchschnittlichen hohem Druck der nach Distanz suchenden Bevölkerung ausgesetzt. „Es sollte überall in der Natur eine Selbstverständlichkeit sein, Hunde in Naturschutzgebieten zum Schutz der am Boden brütenden Vögel an der Leine zu führen und den Müll wieder mitzunehmen“, so Miriam Hansbauer.

 

Beim „Urlaub Dahoam“ empfiehlt der LBV dieses Jahr daher, sich vor Ort nach naturkundlichen Führungen zu informieren, die nun nach und nach wieder angeboten werden können. „Diese bieten ein vertieftes Naturerlebnis, denn Besonderheiten werden durch die Ortskundigen näher gebracht ohne Beeinträchtigungen für die Natur“, weiß Hansbauer. 

1.6.2020

Unterricht in der Natur - Memminger Gymnasiasten entdecken die Artenvielfalt

Sechstklässer des Bernhard-Strigel-Gymnasium zusammen mit den Lehrkräften Doris Schreiber-Polat (links), German Weber und LBV-Biologin Monika Schirutschke (beide rechts)
Sechstklässer des Bernhard-Strigel-Gymnasium zusammen mit den Lehrkräften Doris Schreiber-Polat (links), German Weber und LBV-Biologin Monika Schirutschke (beide rechts)

LBV-Biologin Monika Schirutschke war mit Sechstklässlern des Memminger Bernhard-Strigel-Gymnasiums unterwegs. Gemeinsam mit den Lehrkräften German Weber und Doris Schreiber-Polat entdeckten die Schülerinnen und Schüler dabei was so alles fliegt und flattert am Illerstausee Lautrach.

 

Zum Radiobeitrag gehts hier:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/exkursion-zur-vogelinsel-wer-weiss-was-hier-flattert,RHmbklw 

 

Einen kurzen Videobeitrag zu der Exkursion finden Sie außerdem in der BR Mediathek hier:

https://www.br.de/mediathek/video/unterricht-in-der-natur-exkursion-zur-vogelinsel-wer-weiss-was-hier-flattert-av:5c625c398618bb00182019fc  

Naturschutz braucht Anpacker!

Im Sommer waren die Trainees der Firma Hymer mit der LBV Kreisgruppe Kempten/Oberallgäu zusammen unterwegs, haben eine Hecke gepflanzt und Nistkästen aufgehängt. Vielen Dank dafür! Wie der Einsatz war, seht ihr hier im Video! Weitere Infos zu der Aktion und der Kreisgruppe Kempten/Oberallgäu findet ihr hier -> http://www.lbv-kempten-oberallgaeu.de/ag-fledermaus.html

 Wer jetzt Lust bekommen hat, ebenfalls mit anzupacken, findet unter der Rubrik Mitmachen weitere Infos, wie und wo man aktiv dabei sein kann!